spoga horse 06.–08.02.2021 #spogahorse

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Distanzreiten 2020 - Stallorganisation in Corona-Zeiten

Stalltür mit Coronahinweis

Bayern war zeitlich etwas früher dran mit Ausgangsbeschränkungen und der Notwendigkeit von Stall-Organisation. Wie läuft das Ganze in der Praxis und für Einsteller von Privatpferden ab? Ein erleichterter Erfahrungsbericht aus „Klein-Island“ in Oberbayern.

„Nicht mehr als eine Person in der Halle“, „Pferde mit Abstand anbinden“ und „Mistboy, Wasserhahn und andere gemeinsam genutzte Gegenstände nur mit Handschuhen anfassen“: Die unbeschwerten Zeiten sind auch bei uns am Pferdehof Menzinger in Hammersdorf vorbei. Über 80 Islandpferde – die meisten sind Einsteller von Privatleuten – stehen hier in Offenstall-Herden mit angeschlossenen Koppeln. Eine sympathische Stallgemeinschaft, der Löwenanteil Frauen im Alter zwischen 25 und 70, die sich auch mal bei der Pferdepflege hilft, unterstützt und neben dem eigentlichen Zweck der Veranstaltung (dem Reiten oder der Bodenarbeit) auch das Zusammensein am Stall genießt, in Gruppen gemeinsam ausreitet oder eine kleine Quadrille einstudiert.

Das hat sich jetzt. Maximal dürfen vier Reiter gleichzeitig am Stall sein, die Zeiten dafür sind auf 1,5 Stunden begrenzt und werden täglich per Liste zugeteilt. Wer zu früh kommt, wartet im Auto, bis das Zeitfenster aufgeht, und alle beeilen sich, um nicht zu überziehen. Gleichzeitig darf nur eine Person in der Halle reiten, eine im Longierzirkel und zwei auf dem Reitplatz. Aber die gute Nachricht: das geht! Wir haben, wie es sich für einen guten Isländer-Stall gehört, eine lange Ovalbahn für das Passtraining (natürlich auch für Viergänger offen) und ein schönes Ausreitgelände, das man partiell ja auch noch nutzen kann.

Islandpferd auf dem Pferdehof Menzinger

Die Islandpferdeauf dem Pferdehof Menzinger lassen sich von den ungewöhnlichen Umständen nicht aus der Ruhe bringen.

Die Atmosphäre ist nicht mehr so unbeschwert wie früher, aber die Freude, mal zu Hause rauszukommen, das Pferd und ein paar nette Menschen zu sehen, dafür umso größer. Ein Stück Normalität und auch ein bisschen Ausblenden der Realität finden wir hier. Die Handschuhpflicht wird eingehalten, die Abstandsregeln auch. Alle sind sehr einsichtig und diszipliniert. Der Gemeinschaftsraum ist geschlossen und alle müssen in Reitkluft kommen – Platz zum Umziehen haben wir nicht mehr.

Die Hufschmiede dürfen kommen und arbeiten, müssen aber ihre Autos so parken, dass keine Engstellen entstehen, in denen man sich zu nahekommt.

Stallbetreiber müssen sich neu organisieren

Viel Mehrarbeit gibt es natürlich für die Stallbetreiber, die die Besuchszeiten regeln und zuteilen müssen. Jeden Abend sitzt Hofchefin Eva Menzinger bis spät über ihren Listen für den nächsten Tag – häufig gibt es in letzter Minute Änderungen und Absagen. „Es ist anstrengend, aber jede Anstrengung ist es wert, wenn wir so den Betrieb aufrechterhalten können“, sagt sie. Jetzt arbeiten die Hofbetreiber an einer Online-Lösung, die von den Reitern selbst ausgefüllt wird. Das wäre praktikabel, verlangt aber auch Solidarität von allen. Keine von uns kann sieben Tage pro Woche zum Stall kommen, wenn andere nie „drankommen“. Die Erfahrung von fast zwei Wochen mit dem Tagesplan zeigt aber: alle sind rücksichtsvoll, niemand drängelt vor oder belegt unmäßig viele Zeiten. Wir alle sind froh, wenn nicht noch strengere Regeln kommen und wir letztlich gar nicht mehr zu unseren Pferden dürfen.

Das wäre vielleicht der Fall, wenn jemand aus dem Team positiv auf das Sars Cov 2 Virus getestet würde – und das ist vermutlich nur eine Frage der Zeit.

Grundsätzlich sind wir mit unserer Offenstallhaltung in Herden und großen Koppeln in einer vergleichsweise luxuriösen Situation. In stadtnahen Ställen mit wenig Auslauf und bei Boxenhaltung sieht das ganz anders aus – da bangen die Einsteller darum, ihre Pferde weiter bewegen zu können. Bleibt zu hoffen, dass es nicht zu vollständigen Stallschließungen kommt. Bis dahin praktizieren wir unsere neue Form von „Distanzreiten“ und freuen uns, dass es noch möglich ist.

Autor: Susanne Kern

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