spoga horse 06.–08.09.2020 #spogahorse

Zukünftige Marktpotenziale der deutschen Pferdewirtschaft

Pferdewirtschaft

Die Bedeutung des Pferdes hat in den vergangenen Jahrzehnten in der deutschen Bevölkerung abgenommen. Während sich 2009 noch rund 16 Mio. Menschen für das Reiten interessierten, sind es heute 14 Mio.; 4 Mio. Deutsche reiten, davon 1,34 Mio. häufig (AWA-Studie 2009 und 2019). Während die Zahl der nicht-organisierten Pferdesportler anteilig wächst, ist die Zahl der unter dem Dach der FN-organisierten Pferdesportler rückläufig. Einhergehend nimmt das Interesse an den klassischen Pferdesportdisziplinen mit einem verringerten Interesse am aktiven und passivem Turniergeschehen ab.

Eine Ursache für die Verschiebung der Interessen sind auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen. Folgend seien nur einige Megatrends mit Auswirkungen auf die Pferdewirtschaft genannt: Die Urbanisierung, die zu einer zunehmenden Entfernung der Menschen vom Lebewesen Pferd führt, die Digitalisierung, die zu einem völlig veränderten Kommunikationsverhalten und neuen Lebensmustern führt oder der Megatrend Ökologie, mit dem ein gesteigertes Tierwohlbewusstsein verbunden ist.

Die Akteure der Pferdewirtschaft, haben es in der Vergangenheit nicht selten versäumt, potenztielle Interessengruppen anzusprechen. Erst emotionale Kontaktpunkte zum Pferd schaffen Interesse und Begeisterung für die Beschäftigung mit dem Pferd in der Gesellschaft.

80 Prozent der Deutschen finden Pferde schön

80 Prozent der Deutschen finden, dass Pferde schöne Tiere sind.

Dabei übt das Pferd auf den Menschen, auch wenn er noch so weit von ihm entfernt ist, eine große Faszination aus. Verschiedene Studien belegen, dass rund 80 Prozent der deutschen Bevölkerung finden, dass Pferde schöne Tiere sind und dass sie einen positiven Einfluss auf den Menschen ha-ben. Bei den 4- und 5-jährigen Kindern steht das Pferd gar unter den Top-5 aller interessierenden Themen (hinter Tieren allgemein, Märchen und Fabelwesen, Bauernhof) (Kindermedienstudie 2019).

Überträgt man die Ergebnisse einer sächsischen Repräsentativbefragung (Sachsen-Studie 2019) auf die bundesdeutsche Bevölkerung, können sich zwei Drittel der Bevölkerung vorstellen, ein Ange-bot rund um das Thema Pferd für sich oder die Familie in Anspruch zu nehmen: Hoch im Kurs sind hier Kutschfahrten, Therapeutisches Reiten, Reitferien für Kinder, Reiten als Gesundheitssport oder Tagesausflüge mit dem Pferd.

Was heißt das nun für die Akteure aus der deutschen Pferdewirtschaft - vom Pferdezüchter bis zum Anbieter für Sicherheitsprodukte?

Die Veränderungen des Reitsports werden sich allem Anschein nach weiter fortsetzen. Die Markt-wirtschaft um den Faktor Pferd ist dennoch nicht unweigerlich zum Abschwung verdammt. Zur Entwicklung der Potentiale - und zwar zum Wohl der Gesellschaft, zum Wohl des Pferdes und zum Wohl der Pferdewirtschaft - müssen die Akteure gemeinsam in die Schaffung und Entwicklung von Infrastruktur (z. B. Betriebe und Mobilität) sowie in Ausbildung und Wissensvermittlung bei Ausbil-dern und Endkunden investieren. Dabei gilt es mehr den je Tierwohlaspekte und den ökologischen Fußabdruck zu berücksichtigen. Neuen Zielgruppen müssen (auch leicht konsumierbare) Angebote zugänglich gemacht werden. Auch die Pferdezucht orientiert sich an den neuen Anforderungen, um auch weiterhin erfolgreich Pferde vermarkten zu können.