Köln: 23.–25.07.2022 #spogahorse

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Der spoga horse Ländercheck (6): Die Pferdebranche in Spanien

Die spoga horse ist die weltweit führende B2B-Messe für die Pferdebranche. Ein wesentlicher Pluspunkt für Besucher und Aussteller: Ihre Internationalität. Aussteller aus 33 Ländern und Besucher aus 72 Ländern nahmen an der spoga horse Herbst 2019 teil. Die Vernetzung von Geschäftspartnern über Ländergrenzen hinweg ist ein wichtiger Auftrag der spoga horse. Deswegen werfen wir in der neuen Serie „spoga horse Ländercheck“ einen genauen Blick auf die wichtigsten Absatzmärkte der spoga horse.

Hinweis: Es handelt sich um teilweise gekürzte Fassungen der ursprünglich im Fachmagazin „ReitsportBRANCHE“ erschienen Artikel von Sebastian Reichert. Wenn Sie Interesse an den vollständigen Publikationen haben, können Sie die die komplette Ländlercheck-Serie über info@reitsport-branche.com bestellen.

Andalusier

Ob elegante Andalusier, Namensgeber für die Spanische Hofreitschule, Stierkampf und Mega-Wallfahrten zu Pferd, Sattler-Tradition und Veranstaltungsort für eine der größten Pferdesportmessen der Welt – Spanien ist ein Land, in dem die traditionelle Kultur eng mit Pferden verbunden ist. Das kann man in der Geschichte nachvollziehen, und das merkt man auch heute noch allerorten. Wobei eindeutig das spanische Herz des Reitsports in Andalusien schlägt. Bereits seit dem Mittelalter floriert dort die Pferdezucht. In diesem Teil unserer Serie „Länder-Check“ stellen wir Spanien und seine Reitsportbranche vor.

Unsere Gesellschaft ist historisch stark mit Pferden verbunden“, sagt Jaime Gómez, Sprecher der Asociación Nacional de Criadores de Caballos de Pura Raza Española (ANCCE), gegenüber der Reitsport BRANCHE. „In vielen Regionen und Städten sind Pferde wesentlicher Bestandteil von Volksfesten, Pilger- und Wallfahrten sowie Messen.“ Venancio García Ovies, Generalsekretär des nationalen Reiterverbandes, der Real Federación Hípica Española (RFHE), ergänzt: „Spanien ist die Wiege der Pura Raza Española, die bestens geeignet für alle Reitsportarten ist, besonders aber für die Doma Clásica – die Dressur.“

Das Königreich Spanien, das Reino de España, ist ein Staat, der sich die Iberische Halbinsel im Südwesten Europas mit Portugal teilt. Das 46,7-Millionen-Einwohner-Land, das flächenmäßig die zweitgrößte EU-Nation ist, zählt zu den 20 größten Export-(Platz 17) und Importnationen (Platz 15) und ist nach Frankreich das am zweithäufigsten besuchte Land der Welt.

Spanier leben lange

Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 83,5 Jahren im Jahr 2018 erreicht Spanien in der EU übrigens den höchsten Wert. Mit einer Höhe von 3482 Meter ist der Mulhacén in der Sierra Nevada im Süden bei Grenada der höchste Punkt auf der Iberischen Halbinsel, getoppt vom Pico del Teide (3715 Meter) auf der Insel Teneriffa. Nach den Iberern siedelten sich im 11. Jahrhundert vor Christus die Phönizier an der iberischen Südküste an. Der Name Spanien leitet sich von der lateinischen Bezeichnung Hispania (phönizisch: Land der Klippschliefer) ab. Im 8. Jahrhundert eroberten die Mauren die Halbinsel. Mit dem Fall Granadas verschwand das letzte maurische Staatsgebilde erst 1492.

Nachdem Christoph Kolumbus im selben Jahr Amerika „entdeckte“ stieg Spanien zu einer Weltmacht auf. Nach den Habsburgern gelangte ein Zweig der Bourbonen auf den Thron. Seit dem 19. Juni 2014 ist Felipe VI. aus der Dynastie Bourbon-Anjou der König von Spanien. Sein Vater, Juan Carlos I., hatte Spanien von der Franco-Diktatur (1936 bis 1975) in die Demokratie geführt. Die ältere Schwester des emeritierten Königs – María del Pilar – war übrigens zwölf Jahre lang FEI-Präsidentin. Die am 8. Januar 2020 verstorbene Prinzessin hatte das Amt von 1994 bis 2006 inne.

Vom Klimawandel bedroht

Für Spanien sind die Folgen des Klimawandels dramatischer als für viele andere Länder in Europa – und das schon kurz- bis mittelfristig. Unter anderem ist der bedeutende Weinbau durch die Erwärmung bereits stark gefährdet – Spanien droht, sich in Wüstengebiete zu verwandeln. Dabei ist auch aufgrund der relativ dünnen Besiedelung die Tierwelt äußerst artenreich – in Spanien sind zum Beispiel der Wolf, der Braunbär, Steinbock, Perleidechse, Geier, Land- und Meeresschildkröten sowie Flamingos beheimatet. Mit Madrid (3,2 Millionen) und Barcelona (1,6 Millionen) gibt es zwei Millionenstädte. Die 17 Autonomen Gemeinschaften unterscheiden sich wirtschaftlich stark. Während in stark industrialisierten Regionen (Baskenland, Madrid, Navarra, Katalonien) das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf über dem EU-Schnitt liegt, liegt es in eher landwirtschaftlich geprägten Regionen (Extremadura, Kastilien-La Mancha, Andalusien) weit darunter.

Andalusien ist allerdings die stärkste Pferderegion. 257 der 946 Reitsportvereine befinden sich dort – genau wie 71.000 Pferdehöfe. Andalusien gehört nach den Kanarischen Inseln und Katalonien auch zu dem wichtigsten touristischen Ziel. Der Tourismus brachte dem Land 2016 Einnahmen von über 55 Milliarden Euro. Spanien besitzt laut dem Travel and Tourism Competitiveness Report 2019 des World Economic Forums den wettbewerbsfähigsten Tourismussektor der Welt. Kein Wunder, dass es auch eines der beliebtesten Ziele in Europa für Reiturlaube ist.

Barcelona

Die Millionenstadt Barcelona

Für Reitsport privilegiert

Ob ein Ausritt in die bergige andalusische Landschaft mitseinen weißen Bergdörfern, durch Korkeichenwälder oder vorbei an Lagunen – RFHE-Generalsekretär Venancio García Ovies schwärmt: „Unser Land bietet die Möglichkeit, den Reitsport in einem privilegierten Klima zu praktizieren.“ Zuletzt wurde eine nationale Reitsporttourismus-Vereinigung gegründet. Im Oktober 2019 fand in Córdoba ein Kongress für Reittourismus statt. Die Wirtschaft insgesamt ist stark vom internationalen Handel abhängig. 2018 wies Spanien ein Bruttoinlandprodukt von 1208 Milliarden Euro auf (Platz vier in der EU). Beim Pro-Kopf-Wert kam das Land 2019 auf einen Wert von 26.444 Euro – Platz 13.

Der EU-Schnitt liegt bei 31.080 Euro pro Kopf. Spanien exportierte 2018 insgesamt Güter im Wert von 278,2 Milliarden Euro und importierte Waren im Wert von 318,5 Milliarden Euro. Deutschland ist wichtigster Lieferant sowie der zweitwichtigste Abnehmer (nach Frankreich). Der Umsatz der Pferdeindustrie beläuft sich nach RFHE Angaben auf insgesamt 5303,6 Millionen Euro pro Jahr. Das entspricht 0,51 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Zahlen von 2012). 61.000 Menschen sind in 175.00 Betrieben beschäftigt. Etwa 300.000 Menschen reiten. Pferde gibt es laut Landwirtschaftsministerium etwa 700.000 im Land (200.000 davon in Andalusien). Ungefähr 250.000 bis 300.000 der Pferde sind reinrassige, mit Papieren ausgestattete Pferde der Pura Raza Español (PRE).

Alhambra

Die Alhambra im spanischen Granada

Pferde als Wirtschaftsfaktor

Laut der Außenhandelsstatistik exportierte Spanien 2019 Pferde im Wert von 11,7 Millionen Euro (darunter PRE-Pferde im Wert von 8,5 Millionen Euro), während es Pferde im Wert von 10,3 Millionen Euro importierte. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pferde-Futtermittelindustrie belaufen sich laut Deloitte-Studie von 2013 auf mehr als 557 Millionen Euro pro Jahr und die der Pferdesport-Wettbewerbe auf 103 Millionen Euro – davon entfallen etwa 80 Prozent auf Springveranstaltungen. Unternehmen, die Reitsportausrüstung herstellen oder vertreiben, machen davon einen Anteil von 44 Millionen Euro aus.

Nationales Kulturgut ist der Stierkampf, bei dem traditionell auch Pferde eine Hauptrolle einnehmen. Zwar ist er zunehmend umstritten, spielt aber wirtschaftlich immer noch eine nicht unwesentliche Rolle. Es gibt auch Corridas – die Rejoneos – die komplett zu Pferd ausgetragen werden. Laut Deloitte-Studie wurde 2012 insgesamt solcher 199 Rejoneos ausgetragen – 4000 Pferde kamen dabei zum Einsatz, 700.000 Besucher wurden gezählt. Die Rejoneos hatten 2012 eine wirtschaftliche Auswirkung von mehr als 18 Millionen Euro.

Seit den Anfängen des Stierkampfes floriert auch die Pferdezucht. Die königlichen Reitställe von Córdoba wurden 1570 auf Erlass des Habsburger-Königs Felipe II gegründet – 18 Jahre bevor seine Spanische Armada im Seekampf gegen England unterlag. Edle Andalusier sind bis heute ein iberisches Symbol, wobei die Rassebezeichnung für in Reinzucht gezüchtete Andalusier-Pferde seit 1912 Pura Raza Español (PRE) lautet. Die Spanische Hofreitschule in Wien heißt so, weil sich die Pferderassen aus Spanien als besonders befähigt für die klassische Reitkunst und die Hohe Schule erwiesen.

Genetische Tests bewiesen, dass das iberische Pferd vom Urtyp des Sorraia-Pferdes abstammt. Araber- und Berber-Pferde beeinflussten dann später die Zucht stark. Im ANCCE-Zuchtbuch sind aktuell etwa 2000 Andalusier-Stuten eingetragen. Einheitliche Brandzeichen gibt es dabei nicht. Viele der tausende von Züchtern – darunter sind allein 16.000 PRE-Züchter in Andalusien beheimatet – verwenden jeweils eigene Brandzeichen.

Mekka der andalusischen Pferdezucht

Als besonders edle Unterrasse des Andalusiers gelten die Kartäuserpferde. Das Karthäuserkloster bei Jerez de la Frontera – ein Mekka der andalusischen Pferdezucht – war seit dem Beginn der Zucht im 15. Jahrhundert auf Reinzucht bedacht und hielt dies auch trotz gegenteiliger Befehle (zum Beispiel von Napoleon) durch. Auf diese geht die älteste und reinste Blutlinie, die Cartujano-Linie, zurück. In Jerez de la Frontera wurde 1973 auch die Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre, die Königlich-Andalusische Hofreitschule, gegründet. Dort wird die Klassische Reitkunst in Form der Doma Clásica gelehrt.

In der dortigen Pferdeshow „Como bailan los Caballos Andaluces“, die jährlich 130.000 Zuschauer anzieht, werden auch Aufgaben der Doma Vaquera gezeigt. Diese traditionelle Reitweise wird mit der Garrocha ausgeübt. Mit Hilfe der drei Meter langen, hölzernen Stange trieben die Hirten in Andalusien einst zu Pferd ihre Rinder-Herden zusammen. Später wurden Elemente aus der Doma Vaquera auch in den Rejoneo integriert. Auch in der noch relativ jungen Reitdisziplin Working Equitation (Equitación de Trabajo) werden Doma Vaquera-Elemente aufgegriffen.

Neben den meist weißen Andalusiern wird in Spanien noch der stets schwarze reinrassige Menorquiner gezüchtet. Für den Pura Raza Menorquina (PRM) gibt es seit 1989 eigene Zuchtbücher. Noch geringer als die Menorquiner-Population (3500) ist die der Pura Raza Mallorquina (PRMa). Vom Cavall Mallorqui – wie bei seinem Verwandten von der Nachbar-Balearen-Insel sind nur Rappen zugelassen – gibt es etwa 350 Tiere. Die mallorquinische Polizei ist per Gesetz verpflichtet, mindestens 50 Prozent Pura Raza Mallorquina im Stall stehen zu haben.

Zuschauermagnete Reitturniere

Geschätzt 730.000 Zuschauer sind bei nationalen und internationalen Reitturnieren jedes Jahr anwesend. „Nur wenige Länder können sich rühmen, 5000 Springpferde in der gleichen Woche am Start zu haben“, sagt RFHE-Generalsekretär García Ovies in Bezug auf zahlreiche internationale Prüfungen in allen Disziplinen, wie die Sunshine oder die Mediterranean Equestrian Tour (MET), die zu den wichtigsten Pferdesportveranstaltungen des Landes gehören. Die Sunshine Tour wird zwischen Februar und März auf einer der größten Turnierareale Europas, auf der Anlage des Reitsportzentrums Dehesa Montenmedio nahe Jerez de la Frontera, ausgetragen. 2020 wurde das internationale Reitturnier, bei dem es auch einen Messebereich mit 20 Ausstellern gibt, wegen der Corona-Krise vor der finalen sechsten Woche abgebrochen. Bis dahin nahmen 2500 Pferde an der 26. Auflage teil.

Auch das Centro Ecuestre Oliva Nova bei Valencia, das jeweils im Herbst und Frühjahr zum MET-Springreitwettbewerb einlädt, wirbt mit einem großzügigen „Shopping Village“. Das exklusive Reitzentrum wurde 2012 gegründet, verfügt über neun Wettkampfstrecken und besticht mit seiner Lage. Es ist nur 500 Meter vom Meer entfernt. Direkt am Strand findet das Pferderennen von Sanlúcar de Barrameda statt. Seit 175 Jahren. Das Spektakel zieht 12.000 Besucher an.

Rejoneador

Rejoneos werden komplett zu Pferd ausgetragen

Bedeutende Pferdemessen

Der Salón Internacional del Caballo de Pura Raza Española (SICAB) findet seit 1991 im Novemberin Sevilla statt. Der sechstägige SICAB ist wirtschaftlich die drittwichtigste Veranstaltung der Stadt und eine der weltweit wichtigsten Pferdemessen. Ausschließlich Pferde der Rasse Pura Raza Española stehen dabei im Mittelpunkt – bei der 29. Auflage 2019 nahmen über 1000 reinrassige PRE-Pferde teil. 332 akkreditierte Journalisten aus zehn verschiedenen Ländern berichteten.

Bei der SICAB, die jährlich knapp 250.000 Besucher anzieht und damit auch mit der Equitana in Deutschland als der weltweit größten Pferdesportmesse mithalten kann, ist auch die Reitsportindustrie mit 320 Ständen vertreten. Ähnliches gilt auch für die Madrid Horse Week im Herbst. Zuletzt waren 300 Pferde dabei, 45.000 Besucher wurden bei der Veranstaltung mit internationalen Spring- (CSI 5*), Dressur- (CDI-W) und Voltigierwettbewerben gezählt. Die Pferdemesse „Salón del Caballo“ dort weist etwa 80 Stände auf.

Sehr traditionell geht es Anfang Mai (nach der Feria de Abril in Sevilla mit etwa 6000 teilnehmenden Pferden) bei der „Feria de Caballo“ in Jerez de la Frontera zu. Der Höhepunkt ist der spektakuläre Pferdeumzug „Paseo de Caballos“ – Pferde und Reiter präsentieren sich dabei in ihrer ganzen Pracht. Zur Wallfahrt Romería del Rocío verwandeln 15.000 Pferde und eine Million Besucher ein südspanisches Dorf zu Pfingsten in die drittgrößte Stadt des Landes. Mit dem Gran Premio de Madrid findet das prestigeträchtigste Galopprennen im Hipódromo de la Zarzuela statt. Die Tribünen der 1941 eröffneten Rennbahn stehen unter Denkmalschutz Der 1907 erstmals durchgeführte CSI de Madrid (CSI 5*) ist seit 2013 eine Etappe der Global Champions Tour.

Dachverband aller spanischen Pferdesportler ist die schon erwähnte und 1924 gegründete Real Federación Hípica Española (RFHE), die seit 2014 von Javier Revuelta als Präsident geführt wird. Der Verband zählt aktuell nach eigenen Angaben etwa 55.000 Mitglieder. Die bislang einzige Olympia-Goldmedaille holte 1928 die Springreiter-Mannschaft. Francisco „Paco“ Goyoaga war 1953 der erste offizielle Weltmeister im Springreiten.

Reitsportartikel-Industrie in Zentralspanien

Während vor allem in Südspanien viele Werkstätten existieren, die Pferdeanhänger herstellen, befinden sich die Hauptfabriken für Reitsportartikel aufgrund ihrer langen Tradition in der Leder- und Fellverarbeitung in Zentralspanien – in Salamanca und Toledo. Bei der spoga horse im Herbst 2019 waren allerdings keine Aussteller aus Spanien in Köln vertreten.

In Salamanca befinden sich auch mit Zaldi, Hispano Hípica und Marjomán die drei wichtigsten Unternehmen im Reitsportartikelgeschäft. Der Sattel-Hersteller Zaldi beschäftigt etwa 100 Mitarbeiter. Der regelmäßige Spoga-Aussteller exportiert ungefähr 70 Prozent seine Produkte ins Ausland. Bei Hispano Hípica und Marjomán handelt es sich um Distributoren.

Laut der 2013 veröffentlichten Untersuchung „Estudio del impacto delsector ecuestre en España“ gibt es in Spanien 22 Firmen, die Reitsportartikel herstellen. Sie beschäftigen für ein durchschnittliches Monatsgehalt von 1800 Euro insgesamt 419 Personen. Dazu kommen 750 Geschäfte, die Reitsportartikel verkaufen. Mindestens 50 von ihnen sind auf Pferdesportartikelspezialisiert. In den 750 Geschäften, von denen sich sehr viele in Andalusien befinden, sind 797 Personen (durchschnittliches Monatsgehalt: 1200 Euro) beschäftigt.

In den vergangen Jahren verschwanden viele (kleinere) Handwerksbetriebe, weil sie den Preiskampf gegen Unternehmen verloren haben, die günstiger in Drittländern Massenware produzieren können. In der Deloitte-Studie von 2013 heißt es: „Große Geschäfte, Generalisten aber auch große Sporthändler, verkaufen zunehmend auch Reitsportprodukte. Die traditionellen Hersteller verlieren deshalb Marktanteile, insbesondere bei jungen Reitern.“ Auch die 2008 einsetzende Wirtschaftskrise forderte Opfer – laut ANCCE-Sprecher Jaime Gómez zum Beispiel alle gedruckten Pferdesport-Zeitschriften.

Andalusier

Decathlon im Einzelhandel führend

Mit 173 Filialen ist in Spanien das französische Unternehmen Decathlon sehr stark. In den Decathlon-Sportgeschäften werden auch Bekleidung, Ausrüstung und Zubehör für Reiter und Pferde verkauft. „Decathlon war 2019 mit einem Marktanteil von 30 Prozent im Sportartikel-Einzelhandel in Spanien führend“, sagt José María Cases Pey vom Büro für Wirtschaft und Handel am Spanisches Generalkonsulatin Düsseldorf. Und Jaime Gómez ergänzt: „Die zunehmend wichtige Rolle von Decathlon hat in Spanien dazu geführt, dass viele traditionelle Einzelhändler schließen mussten.“

„Die Fähigkeit, ihre Waren auch online zu verkaufen, ist sehr wichtig für ihr Überleben“, führt ANCCE-Sprecher Jaime Gómez aus. Das betrifft auch den Fachhandel. „Der Online-Handel nimmt zunehmende einen großen Prozentsatz der Verkäufe ein.“ Dass der Online-Verkauf immer wichtiger wird, weiß auch Grupo El Molina. Das Unternehmen ist auf Sattel und Reitanlagen spezialisiert und verkauft seine Produkte online. Grupo El Molina verfügt aber auch über ein Geschäft, das nach eigenen Angaben die größte Ausstellungsfläche in Spanien hat. Das Geschäft in Coria del Río bei Sevilla ist 800 Quadratmeter groß.

Autor: Sebastian Reichert

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