Köln: 04.–06.02.2023 #spogahorse

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Der spoga horse Ländercheck (8): Die Pferdebranche in Schweden

Die spoga horse ist die weltweit führende B2B-Messe für die Pferdebranche. Ein wesentlicher Pluspunkt für Besucher und Aussteller: Ihre Internationalität. Aussteller aus 33 Ländern und Besucher aus 72 Ländern nahmen an der spoga horse Herbst 2019 teil. Die Vernetzung von Geschäftspartnern über Ländergrenzen hinweg ist ein wichtiger Auftrag der spoga horse. Deswegen werfen wir in der neuen Serie „spoga horse Ländercheck“ einen genauen Blick auf die wichtigsten Absatzmärkte der spoga horse.

Hinweis: Es handelt sich um teilweise gekürzte Fassungen der ursprünglich im Fachmagazin „ReitsportBRANCHE“ erschienen Artikel von Sebastian Reichert. Wenn Sie Interesse an den vollständigen Publikationen haben, können Sie die die komplette Ländlercheck-Serie über info@reitsport-branche.com bestellen.

Dalapferd aus Schweden

Schwedisches Dalapferd

Wo der Elch dem Pferd guten Tag sagt…

Das Dalapferd ist für Touristen das Nationalsymbol Schwedens – und auch eines der Verkaufsschlager schlechthin. Hunderttausende Exemplare der leuchtend rot gefärbten Holzpferdchen (schwedisch: Dalahäst) mit dem - mit der typischen Kurbitsmalerei aufgetragenen - Zaumzeug werden jährlich unter die Leute gebracht. Millionen Euro werden damit jedes Jahr umgesetzt. Sverige är ett hästland – Schweden ist ein Pferdeland. Aber natürlich nicht nur aufgrund des Dalapferdes. Der Pferdesport ist in Schweden in mehrfacher Hinsicht dem Fußball als wichtigste Sportart der Nation direkt auf den Fersen. In Teil 8 unserer Serie „Länder-Check“ stellen wir Schweden und seine Reitsportbranche vor.

"Schweden ist zwar von der Einwohnerzahl her ein relativ kleines Land, aber was Pferde betrifft, sind wir eine große Nation“, sagt Lotta Amnestål, Sprecherin des schwedischen Reitsportverbands. „Der Pferdesport gehört im ganzen Land zu den Hauptthemen.“ Zum Beispiel die Erfolge von Rolf Göran Bengtsson. Der Springreiter ist einer der Superstars im Land. Der Olympia-Zweite von 2008 führte 2012 als erster Schwede überhaupt die Weltrangliste an. Ein Jahr zuvor gewann der bei Itzehoe lebende Europameister von 2011 in Schweden den Jerring-Preis, bei dem die Hörer eines Radiosenders jedes Jahr den besten Sportler wählen. Preisträger 2007 war ein gewisser Zlatan Ibrahimovi´c. 2016 und 2017 heimste wiederum ein Springreiter die Auszeichnung ein – Peder Fredricson.

KÖNIG GAB DEN ANSTOSS

Während Bengtsson und Fredricson in den vergangenen Jahren viel für den Reitsport in Schweden taten, ist Gustav I. Wasa (1496-1560), dessen historische Flucht vor den Soldaten des dänischen Königs jedes Jahr im März mit einer der größten Skilanglaufveranstaltungen der Welt – mit dem Wasalauf (schwedisch: Vasaloppet) – gedacht wird, jemand, der die Entwicklung seines Landes als Pferdesportland überhaupt erst anstieß. Im 16. Jahrhundert untersagte er den Export finnischer Pferde und gründete selbst Gestüte in Schweden. So wie das Gestüt auf Schloss Strömsholm. Dort, 130 Kilometer von Stockholm in Mittelschweden gelegen, steigt neben Springwettbewerben seit 1971 alljährlich zu Pfingsten mit dem Grand National auch eine Institution im Pferderennsport. 4000 Zuschauer kommen jedes Jahr. Manche sagen, die Veranstaltung sei Schwedens größtes Picknick. Das Königreich Schweden (schwedisch: Konungariket Sverige) ist eine parlamentarische Erbmonarchie in Nordeuropa.

Das skandinavische Land ist seit 1995 in der Europäischen Union – ohne allerdings den Euro als Währung zu haben (stattdessen wird mit der Schwedischen Krone bezahlt) und ohne Nato-Mitglied zu sein. Zu Schweden gehören etwa 221.800 Inseln. Auf Gotland, vor Öland die größte Insel, gibt es heute noch im Wald eine Gruppe von wildlebenden Gotland-Ponys (schwedisch: Gotlandsruss). Die Landgrenze zu Norwegen ist 1619 Kilometer lang, die zu Finnland 586 Kilometer. Seit der Inbetriebnahme der Öresundbrücke im Jahr 2000 besteht eine direkte Landverbindung zu Dänemark.

ZWISCHEN HELL UND DUNKEL

Mit 2100 Metern ist der höchste Berg der Kebnekaise – bekannt auch von Selma Lagerlöfs „Nils Holgersson“. Die Leitgans trägt dort den Namen „Akka von Kebnekaise“. Das Klima in Schweden ist für seine nördliche Lage – bedingt durch den warmen Golfstrom – mild und feucht. Polares Klima herrscht nur im nördlichen Hochgebirge. Die Temperaturunterschiede während des Jahres sind in weiten Teilen des Landes relativ gering. Aufgrund der Nähe zum Polarkreis ist dafür aber die Differenz zwischen dem langen Tageslicht im Sommer und der langen Dunkelheit im Winter beträchtlich. In Südschweden verläuft der so genannte Limes Norrlandicus, der den Übergangsraum zwischen der Zone des Mischwaldes im Süden und den borealen Nadelwäldern im Norden kennzeichnet. Als erstes Land in Europa richtete Schweden 1909 Nationalparks ein. Mittlerweile sind große Teile des Landes so geschützt. Dort fühlt sich auch der Elch wohl. Zwischen 300.000 und 400.000 Exemplare der größten heute vorkommenden Hirschart gibt es schätzungsweise aktuell in Schweden – etwa genauso viele wie Pferde. In der Jagdsaison im Herbst erlegen Jäger jedes Jahr bis zu einem Viertel der Elche. Dessen Bestand ist trotzdem nicht gefährdet.

Elch in Schweden

Zwischen 300.000 und 400.000 Exemplaren stark ist die Elch-Population in Schweden.

DREI BALLUNGSRÄUME

Mit Abstand größter Ballungsraum des in 21 Provinzen unterteilten Landes ist die Hauptstadt Stockholm (2,3 Millionen Einwohner), gefolgt von Göteborg (0,9 Millionen) und Malmö (0,7 Millionen). Damit konzentrieren sich 40 Prozent der Bevölkerung auf diese drei Regionen. Schweden mit seinem seit Jahrzehnten verhältnismäßig liberalen Einwanderungsrecht hat eine multikulturelle Gesellschaft. 2016 lag der Bevölkerungsanteil der im Ausland geborenen Einwohner bei 18 Prozent. Übrigens: Bis zum Jahr 2040 will das Land seine Stromerzeugung komplett auf erneuerbare Energien umgestellt haben – und dabei vorrangig auf Windenergie setzen.

Schweden belegte im Global Competitiveness Index 2017–2018 Rang sieben und war laut den Korruptionswahrnehmungsindex 2016 eines der am wenigsten korrupten Länder der Welt. 2018 wies Schweden ein Bruttoinlandprodukts von 467 Milliarden Euro auf. Die Wirtschaft ist dabei stark vom internationalen Handel abhängig. Das Heimatland von Ikea und Volvo, von Abbaund Roxette sowie von Astrid Lindgren und Pippa Langstrumpf (und ihrem Pferd Kleiner Onkel) exportierte 2018 insgesamt Güter im Wert von 147 Milliarden Euro und importierte Waren im Wert von 150 Milliarden Euro.

Deutschland ist mit einem Einfuhranteil von 17,9 Prozent Schwedens wichtigster Lieferant (vor den Niederlanden und Norwegen) sowie der wichtigste Abnehmer. 2018 gingen 10,6 Prozent aller Ausfuhren nach Deutschland. Es folgten Norwegen (10,4 Prozent), Finnland (6,9 Prozent) und Dänemark (6,9 Prozent).

Stockholm bei Nacht

Stockholm bei Nacht

HOHE PFERDEDICHTE

Laut der Studie „Die sozioökonomischen Auswirkungen der Pferdewirtschaft“ der Dalarna University erzielten die rund 360.000 Pferde des Landes im Jahr 2016 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro, schafften 38.000 Arbeitsplätze und erbrachten Steuern von 560 Millionen Euro. Der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 0,5 Prozent. Der Schwedische Reiterverband schätzt den Wert der gemeinnützigen Arbeit im Pferdesport 2012 auf 26 Millionen Euro jährlich. „Pferden und Menschen geht es gut miteinander“, heißt es zur Veröffentlichung der Studie.

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl betrachtet, leben in Schweden mehr Pferde als beispielsweise in Deutschland. Das Pferd-Einwohner-Verhältnis beträgt in Schweden 1:28, in Deutschland 1:63. Dachverband aller Pferdesportler ist der Svenska Ridsportförbundet (RF, früher: Svenska Ridsportens Centralförbund), der 1912 in Verbindung mit den Olympischen Spielen in Stockholm gegründet worden ist und mit sieben anderen Nationalverbänden am 24. November 1921 in Paris den Weltverband FEI ins Leben rief. RF-Vorsitzender ist seit 2015 Ulf Brömster.

Das Büro des Verbandes befindet sich in Strömsholm. Der Ridsportförbundet ist in 19 Reitbezirke untergliedert und hatte im Jahr 2013 insgesamt 153.000 Mitglieder.

SPORTART NR. 1 BEI FRAUEN

Nach Angaben des RF reiten in Schweden insgesamt eine halbe Million Menschen. Bei jungen Leuten im Alter zwischen sieben und 25 Jahren ist Reitsport demnach sogar (nach Fußball) die Nummer zwei. Auch mit 216.395 Trainingsstunden und 19.789 Veranstaltungen mit 156.071 Teilnehmern steht der Pferdesport hinter Fußball an zweiter Stelle. Nach der Anzahl der Aktiven ist Reiten die sechstgrößte Sportart in Schweden. Mit einem Anteil von etwa 90 Prozent an Reiterinnen wird kein anderer Sport im Land von mehr Frauen betrieben. Dem RF gehören rund 900 Reitvereine an. Ungefähr die Hälfte von ihnen betreibt jeweils eine Reitschule und gibt Reitstunden. „Durch die vielen Reitschulen ist der Zugang zum Reitsport sehr einfach“, freut sich Ridsportförbundet-Sprecherin Lotta Amnestål.

2016 wurden mehr als 378.700 Wettkampfstarts im Pferdesport durchgeführt. Spring- (75 Prozent) und Dressur-Wettbewerbe (22 Prozent) dominieren dabei die Statistik. 2016 wurden mehr als 37.500 Pferde mit aktiver Wettkampflizenz und mehr als 29.600 Reiter mit aktiver Wettbewerbslizenz geführt.

STRÖMSHOLM UND FLYINGE

Eines der Pferdezentren Schwedens ist Strömsholm. Schon seit Jahrhunderten. Ab 1868 hat dort die schwedische Armee Pferde und Reiter ausgebildet – über 100 Jahre lang. In Strömsholm gibt es neben einem Reitsportgymnasium und einer Reitschule auch eines der modernsten Pferdekrankenhäuser Europas – mit langer veterinärmedizinischer Historie. Der Schwedische Reitsportverband betreibt auf der gewaltigen Anlage in Strömsholm seine Ausbildungen.

2018 eröffnete dort zudem das „Hästmuseum“. Statt einem Museumsgebäude und Vitrinen gibt es auf dem Gelände der Reitschule fünf beschilderte Spazierwege, auf denen die Besucher mit einer kostenlos erhältlichen App Informationen zu Schweden als Pferdesportnation abrufen können.

Während die Gestütsgeschichte in Strömsholm mit der Auflösung als Zuchtanstalt 1874 zu Ende ging, werden im ebenso traditionsreichen Gestüt Flyinge in Südschweden, 100 Kilometer von Malmö entfernt, heute immer noch Pferde gezüchtet. Die Ursprünge des Gestüts Flyinge als Zuchtstätte reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Damit ist es eines der ältesten Gestüte der Welt. 1661 gründete es König Carl X. Gustav als königliches Gestüt. Heute ist Flyinge das größte und bekannteste Gestüt in Schweden und das einzige Nationalgestüt des Landes.

Schwedisches Warmblut

SCHWEDISCHES WARMBLUT

In Flyinge wird bis heute unter anderem die Tradition der Zucht des Schwedischen Warmblutpferdes gepflegt – heute neben dem Nordschwedischen Kaltblutpferd („Nordsvensk Häst“) die bekannteste einheimische Pferderasse. Das Schwedische Warmblutpferd als eigene Rasse hat seinen Ursprung im 17. Jahrhundert. Damals wurden orientalische, spanische und friesische Hengste mit einheimischen Zuchtpferden gekreuzt. Auch wurden – vor allem auf den Gestüten Stromsholm und Flyinge – Trakehner, Hannoveraner, Araber und Englische Vollblüter integriert.

Ursprünglich als Kavalleriepferd mit überdurchschnittlichen Eigenschaften gezüchtet, gilt die Rasse heute als vielseitig einsetzbares Sportpferd – besonders für die Dressur, aber auch für den Springsport, die Vielseitigkeit und das Fahren geeignet. Das Schwedische Warmblut wird heute in alle Welt exportiert. In den Studbooks Rankings des Weltzuchtverbandes WBFSH von Mai 2019 belegen Pferde dieser Rasse die Positionen neun (Springreiten), elf (Dressur) und 13 (Vielseitigkeit).

EUROHORSE UND HÖÖKS

Skandinaviens größte Pferdemesse ist die EuroHorse. Sie ist nach eigenen Angaben sogar eine der größten Pferdemessen der Welt und findet jährlich im Frühjahr parallel zur seit 1977 jährlich ausgetragenen Göteborg Horse Show im Exhibition & Congress Center in Göteborg statt. 2019 zählte die EuroHorse 83.582 Besucher. 2020 wird sie vom 20. bis 23. Februar stattfinden. Die Veranstalter rechnen dabei wieder mit mehr als 200 Ausstellern.

Neben der EuroHorse gibt es auch eine kleine Fachhandelsmesse, die Hästsportmässan. Sie findet halbjährlich in Upplands Väsby bei Stockholm und hat schätzungsweise an einem Wochenende etwa 1000 (geladene) Besucher.

Zwischen 150 und 200 Reitsportgeschäfte existieren in Schweden aktuell, schätzt Klas Pettersson, Geschäftsführer der EuroHorse. „Das Geschäft im Pferdesporteinzelhandel entwickelt sich gut – auch wenn die Zahl der Einzelhändler in den letzten fünf Jahren etwas zurückgegangen ist“, führt Klas Pettersson aus und ergänzt. „Das ist aber eher ein gesundes Zeichen, da einige derjenigen, die aufgeben mussten, keinen tragfähigen Geschäftsplan hatten.“ Nach Angaben des langjährigen EuroHorse-Geschäftsführers betrug der geschätzte Umsatz des schwedischen Marktes 2018 insgesamt vier Millionen Euro – ohne Zucht-, Veterinär-, Schmiede- und Trainingsdienstleistungen.

Mit Hööks gibt es in Schweden im Reitsportfachhandel eine dominierende große Kette. Nach eigenen Angaben macht das 400-Mitarbeiter-Firma, die sich als Skandinaviens größtes Pferdeunternehmen bezeichnet, einen Jahresumsatz von fast 470 Millionen Euro. Neben 35 Geschäften in Schweden, die zwischen Malmö im Süden und dem 100 Kilometer vom Polarkreis entfernten Luleå liegen, betreibt Höök auch noch sieben Filialen in Finnland, drei in Dänemark und acht in Norwegen sowie einen Onlineshop, der Kunden europaweit beliefert.

Mit Väckelsang Industriplast (Produkte für Pferdepflege, Stallungen und Weiden), Mountain Horse (Reitsportkleidung), Jacson Equestrian (Reitsportkleidung/-zubehör), Uhipwear (Reitsportkleidung), K9 Competition (Pflegeprodukte für Pferdehaare/-haut), Accuhorsemat (Akupressurpferdedecken) und Stierna Equestrian Sportswear (Reitsportkleidung) haben sich sieben Unternehmen aus Schweden im Vorfeld der spoga horse für die Messe im Herbst 2019 angekündigt. Petersson: „Viele schwedischen Hersteller – besonders im Bekleidungsbereich und bei Hightech Lösungen – sind ihrem jeweiligen Business ganz vorne dabei.“

Autor: Sebastian Reichert

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